Warum der Papst doch Recht hat
Der Papst ist im Moment der Prügelknabe der Medien, derer, von denen er es schon immer war, und seit neuestem auch einiger Geistlicher und Gläubigen aus den eigenen Reihen. In der Tat, er hat seine Fehler gemacht und all die kleinen und größeren Krisen, die er seit Anfang des Jahres erleben musste, haben die Fehler aufgedeckt, die im Vatikan schon lange vorherrschen: gravierende Schwachstellen in der internen und externen Kommunikation, zu langsame Reaktion auf unerwartete Ereignisse, usw.
Doch trotz all dieser organisatorischen Schwächen im Vatikan bleibt doch die Frage, warum der Papst so heftig kritisiert wird. Schließlich hat er sich sehr wohl erklärt, nachdem das Interview mit den unerhörten Aussagen Williamsons die Runde machte. Doch sei es seine Erklärungen danach, wie auch die Tatsache, dass die Piusbruderschaft in Briefen Ende letzten Jahres ganz andere, versöhnliche Töne anschlugen und um eine Aufhebung der Exkommunikation baten.
Auch die Kritik des Papstes an der Haltung der katholischen Kirche in Brasilien nach dem Fall des vergewaltigten neunjährigen Mädchens, das Zwillinge erwartete und diese schließlich wegen der gesundheitlichen Risiken abtrieb, ging in der Empörung über die Exkommunikation der Beteiligten völlig unter.
Nun, als der Papst am Beginn seiner Afrika-Reise seine Haltung zum Aids-Problem in Afrika darlegte, hießen ihn deutsche Politiker weltfremd und waren nahezu fassungslos. Ausnahmslos wurde diese Haltung in den Medien ins lächerliche gezogen und als absoluter Blödsinn dargestellt. Man hatte den Eindruck, als habe man eine solche Haltung gar nicht erwartet und sei völlig überrascht und empört gewesen, nur weil der Papst seine Meinung offen und klar ausgesprochen hat.
Doch was haben all die Kritiker erwartet? Einen unkatholischen Papst? Die katholische Lehre glaubt an das Sakrament der Ehe, an die Untrennbarkeit von Liebe und Sexualität. Außereheliche Sexualität widerspricht dieser grundlegenden Überzeugung. Dass Aids nicht mit Kondomen aus der Welt schaffen kann, ist ein naiver glaube. Wenn Spanien auch noch so viele Millionen nach Afrika schickt, löst es damit überhaupt nichts. Denn Vergewaltigungen werden trotzdem Gang und Gebe bleiben, untreue Eheleute wird es trotzdem geben und dadurch wird das eigentliche menschliche Versagen, das hinter der grassierenden Epidemie steht, nicht gelöst werden. Es ist die Haltung gegenüber der Sexualität, die Aids soweit verbreitet hat, die Trennung von Liebe und Sexualität.
Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Sexualität in der heutigen Zeit mit wahrer und ewiger Liebe nicht mehr viel am Hut hat. Dem entgegnet der Papst und kämpft für seine Überzeugung. Nenne ihn einen Romantiker, wer will, aber blödsinnig ist das keinesfalls. Verständnis setzt einen Vorschuss an Wohlwollen voraus. Wer den nicht aufbringen kann, wird den Papst nicht verstehen.









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